Ein tierärztlicher Notfall ist jede Situation, in der Ihr Tier ohne schnelle Hilfe ernsthaft gefährdet sein kann. Nicht jeder Notfall sieht dramatisch aus. Manche Tiere ziehen sich zurück, wirken ungewöhnlich ruhig oder zeigen nur kleine Verhaltensänderungen. Deshalb ist es wichtig, typische Warnzeichen zu kennen und im Ernstfall nicht lange abzuwarten.
Dieser Ratgeber hilft Ihnen bei der ersten Einordnung. Er ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie lieber einmal zu früh in einer Praxis oder Klinik an.
Warnzeichen, bei denen Sie sofort handeln sollten
- Atemnot, bläuliche Schleimhäute oder sehr schnelle Atmung.
- Starke Blutungen, offene Verletzungen oder Verdacht auf Knochenbruch.
- Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit, Lähmungen oder Zusammenbruch.
- Aufgeblähter Bauch, erfolgloses Würgen oder starke Unruhe beim Hund.
- Vergiftungsverdacht, Aufnahme von Medikamenten, Schokolade, Giftködern oder Pflanzen.
- Anhaltendes Erbrechen, blutiger Durchfall oder deutliche Austrocknung.
- Geburtsprobleme, schwere Schmerzen oder plötzliche Verschlechterung.
- Bei Katzen: kein Urinabsatz, starkes Pressen oder Rückzug mit Schmerzzeichen.
Erst anrufen, dann losfahren
Wenn Ihr Tier stabil genug ist, rufen Sie vor der Fahrt an. Das Praxisteam kann einschätzen, ob Sie direkt kommen sollen, ob eine andere Klinik besser ausgestattet ist oder ob besondere Maßnahmen für den Transport nötig sind. Halten Sie am Telefon Tierart, Alter, Gewicht, Symptome, Zeitpunkt des Beginns, bekannte Erkrankungen und Medikamente bereit.
Transport im Notfall
Transportieren Sie Ihr Tier ruhig und möglichst stabil. Kleine Tiere gehören in eine sichere Box. Hunde sollten angeleint sein, auch wenn sie sonst zuverlässig hören. Schmerzen können Verhalten verändern. Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen oder Knochenbrüche vermeiden Sie unnötige Bewegung und tragen Sie das Tier möglichst auf einer festen Unterlage.
- Katze: Transportbox mit Handtuch abdecken, ruhig und dunkel halten.
- Hund: kurze Leine, bei Schmerzen vorsichtig sichern, Eigenschutz beachten.
- Kleintier: Wärmeverlust vermeiden, Box auspolstern, Stress reduzieren.
Was kostet der Notdienst?
Notdienst ist teurer als eine reguläre Sprechstunde, weil Personal, Ausstattung und Bereitschaft außerhalb normaler Zeiten vorgehalten werden müssen. Die Bundestierärztekammer weist darauf hin, dass im Notdienst eine Notdienstgebühr anfällt und tierärztliche Leistungen zu erhöhten Sätzen der GOT abgerechnet werden können.
Vorbereitung für heute Abend
- Speichern Sie die Nummer Ihrer Stammpraxis.
- Notieren Sie die nächste Tierklinik und den regionalen Bereitschaftsdienst.
- Legen Sie Impfpass, Medikamentenliste und Versicherungsdaten griffbereit ab.
- Prüfen Sie Transportbox, Leine und eine kleine Notfallausstattung.
- Nutzen Sie unsere Umkreissuche, um erreichbare Praxen zu finden.
Weiterführende Informationen bietet die Bundestierärztekammer zum tierärztlichen Notdienst.



